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Neuigkeiten

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Ossenheim


Die ehemalige selbständige Gemeinde Ossenheim, heute Stadtteil der Kreisstadt Friedberg (Hessen), wurde im "Codex Laureshamensis" Band ffl 1936 von K. Glöckner, im Jahre 807 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Über die vielen Jahrhunderte ist dieser Ort bestimmt nicht von Not und Gefahr verschont geblieben. Dies können wir in Berichten nachlesen, die unsere Vorfahren niedergeschrieben haben. So berichtet schon der Altbürgermeister Carl Maul in einem Aufsatz "Kulturgeschichtliche Bilder aus alter Zeit" von einem Großbrand in Ossenheim, wo fast der ganze Ort und das Pfarrhaus 1635, also im Dreißigjährigen Krieg, betroffen war.

Erste Aufzeichnungen über das Feuerlöschwesen bzw. den Brandschutz in Ossenheim finden wir in Niederschriften und Berichten aus dem Jahre 1831, die heute im Archiv der Stadt Friedberg (Hessen) aufbewahrt werden. Auf Grund einer "Feuerpolizeilichen Verfügung für alle Bürgermeistereien des Kreises" vom 16. Dezember 1831 hat der damalige Bürgermeister am 29. Dezember 1831 berichtet, dass in Ossenheim zwei Spritzenmeister, 2 Rottenmeister, sechs Feuerläufer und 14 Mann für die Steigermannschaft und Ordnungsmannschaft gestellt werden. Zusätzlich waren 18 Mann einer Pumpenmannschaft, die zu gleichen Teilen von den Orten Ossenheim, Bauernheim und Fauerbach gestellt wurden, vorhanden.

Der Leser wird sich fragen, was haben die Orte Bauernheim und Fauerbach in dieser Beziehung mit Ossenheim zu tun? Es kam daher, dass diese drei Gemeinden eine "gemeinschaftliche Pumpe " hatten.

Im Jahre 1837 stellte die Gemeinde Ossenheim den Antrag, der von allen Bürgermeistern und Gemeinderäten der drei vorgenannten Gemeinden unterschrieben war, die Aufhebung der "Gemeinschaft der Feuerspritzen zwischen Ossenheim, Bauernheim und Fauerbach" zu genehmigen.

Den Wert der Spritze setzte man auf 600 Gulden fest. Die Spritze sollte unter den drei Gemeinden verlost werden. Die Gemeinde, die den Zuschlag bekam, sollte den beiden anderen Gemeinden jeweils 200 Gulden ausbezahlen. Erst nach der Zahlung sollte die Spritze in den Besitz der ausgelosten Gemeinde gehen. Ebenso sollte auch das Gebäude, in welchem die Spritze stand, an die ausgeloste Gemeinde gehen und gegebenenfalls abgebrochen und am neuen Ort wieder aufgebaut werden.

Diesem Antrag konnte zu dieser Zeit wahrscheinlich nicht stattgegeben werden, weil in Aufzeichnungen von 1849 niedergeschrieben ist: Die Gemeinschaft kann nicht aufgelöst werden, da die Gemeinde Bauernheim nicht in der Lage ist, eine eigene Spritze anzuschaffen. Wann diese Gemeinschaft aufgelöst wurde, kann nicht berichtet werden, da hierüber keine Unterlagen zu finden sind.

In den Jahren 1850 bis 1885 wurden in Ossenheim "Feuervisitationen" durch die beiden Feuergeschworenen Füller und Morschel und später noch Booz (vermutlich alle aus Friedberg und Fauerbach), durchgeführt.

Über zwei Mängel wurde am 16. Juli 1859 berichtet:

1. bei Wilhelm Dillenburger; - die Holzwand an der Ofenfeuerung zu entfernen und eine Brandmauer aufzuführen.

2. bei Konrad Musch Witwe; - der Schornstein vom Dach neu aufzuführen.

Aus dieser Zeit stammt auch ein Verzeichnis der .in der Gemeinde Ossenheim aufgestellten "Siedekessel" und die Namen der Besitzer die in regelmäßigen Abständen überprüft wurden.

Als Besitzer wurden genannt: Georg Schäfer, Adam Thomas, Georg Walther, Karl Görg, Reinhard Merkel, Karl Dietz, Heinrich Musch und Georg Christian Schäfer

In den Genehmigungsurkunden waren auch damals schon bauaufsichtliche Auflagen enthalten, so z.B. Grenzabstände, bauliche Beschaffenheit der Gebäude und Lagerung von brennbaren Stoffen.

Am 14. Januar 1833 brannte in der "Ziegelei" in Ossenheim eine größere Menge "Braunkohlenklötze".

Der Brand muss einen größeren Sachschaden angerichtet haben, denn von der Gräflichen Rentkammer zu Assenheim wurde binnen drei Tagen ein Bericht von dem Bürgermeister angefordert. Aufgrund dieses Berichtes wurde eine Bestrafung des verantwortlichen Zieglers Weimann gefordert. (Man beachte hierbei die Fristsetzung von drei Tagen). Man berichtet von weiteren kleinen Bränden ohne Aufführung von Ort und Namen der Betroffenen.

Wo das erste "Spritzenhaus" stand kann nicht genau angegeben werden.

Am 16. Januar 1852 wurde die Genehmigung durch die damalig zuständige Behörde erteilt, neben dem Brunnen gegenüber dem Pfarrhaus (jetzt Florstädter Straße) ein "Spritzenhaus" zu bauen. Ein Skizze des Bauvorhabens ist der Genehmigung beigefügt.

Zu der Bauausführung ist es wahrscheinlich nie gekommen. Es lässt daraus schließen, da Herr Pfarrer Buchhold 1874 von der Gemeinde für die "Aufbewahrung der Feuerspritze“ in einem zur Pfarrhofreite gehörigen Raum, der ihm zustand und von der Gemeinde Ossenheim genutzt wurde, ein Entgelt forderte. Er forderte für die letzten 14 Jahre eine jährliche Vergütung von drei Gulden, zusammen 42 Gulden, und ab dem 22. Februar 1873 eine Vergütung von jährlich fünf Gulden.

Im März 1896 wurde von der Gemeinde der Antrag gestellt zum Bau eines "Spritzenhauses nebst Wach - und Arrestlokal" für die Gemeinde Ossenheim. Der Antrag ist unterschrieben von dem damaligen Bürgermeister Keller.

Aus den beigefügten Plänen ist unschwer zu erkennen, dass es sich um das alte Spritzenhaus in der heutigen Florstädterstraße handelt Der damals geplante Schlauchturm ist bis in die Gegenwart erhalten. Dieses Spritzenhaus wurde bis zum Umzug in das jetzige Feuerwehrhaus im Gebäudekomplex der Mehrzweckhalle von der früheren "Pflichtfeuerwehr" und nachher von der "Freiwilligen Feuerwehr“ genutzt. Wie es zu diesem Bauantrag kam, lässt sich heute leicht erklären!

"laut Gesetz vom 29. März 1890 und der Ausführungsverordnung vom 11. Oktober 1890 und der Kreisfeuerlöschordnung" mussten alle Gemeinden Pflichtfeuerwehren aufstellen. So auch geschehen in Ossenheim! Im Archiv der Stadt Friedberg (Hessen) wurde ein Schreiben des "Großherzoglichen Kreisamtes Friedberg" vorgefunden, wo der "Großherzoglichen Bürgermeisterei Ossenheim" die am 14. April 1892 vorgelegte Aufstellung der Mannschaft der Pflichtfeuerwehr genehmigt wurde.

Dies ist praktisch der 2. Beweis einer organisierten Form einer Feuerwehr in Ossenheim.

Immerhin sind in dieser Aufstellung 54 Ortsbürger aufgeführt, die zu dieser Zeit Dienst in der Pflichtfeuerwehr leisten mussten.

Der l. Befehlshaber war Karl Maul. Er hatte zwei Stellvertreter, und zwar Heinrich Keller und Gustav Kopp.

Es ist eine Seltenheit, dass diese Dokumente heute im Original noch vorhanden sind.

Deshalb versuche ich dieses Dokument in Kopie auf den nächsten Seiten einzubringen!

Diese Grundlisten sind von den Jahren 1891 - 1923, von 1925 - 1932 und 1936 vorhanden. Von 1928 - 1933 war Konrad Rasch und von 1933 bis mindestens 1936 Otto Walther der jeweilige Kommandant der Pflichtfeuerwehr. Spätere Unterlagen sind nicht mehr vorhanden. Aus mündlicher Überlieferung sind uns noch als Kommandanten Karl Schneider und Wilhelm Hom und nach dem 2. Weltkrieg Walter Danz, Georg Walther und Peter Rother bekannt.

Auch im 2. Weltkrieg wurde die Gemeinde Ossenheim nicht von Schäden bewahrt. Am 11. September 1944 war der nördliche Bereich von Ossenheim Ziel eines Bombenangriffes der alliierten Luftstreitkräfte.

Die hervorgerufenen Schäden waren so groß, dass die einheimischen Kräfte nicht ausreichten. Es waren fast kaum noch Männer im wehrpflichtigen Alter zu Hause. Männer, Frauen und Jugendliche, die in Ossenheim noch wohnten und arbeiteten waren zum Dienst im "Luftschutz" (Reichsluftschutzbund) und in der Pflichtfeuerwehr verpflichtet. Nachbarliche Hilfe wurde von auswärtigen Kräften, so auch von der Feuerwehrbereitschaft Friedberg unter der Führung von dem damaligen Bereitschaftsführer Ernst Häuser geleistet.

Sieben Wohnhäuser, mehrere Wirtschaftsgebäude wie Scheunen, Stallungen und Hallen wurden total zerstört. Andere Gebäude waren schwer beschädigt, andere kamen mit geringeren Schäden davon.

Umso größer war die Trauer, um die bei diesem Bombenangriff umgekommenen Personen. Von den Einheimischen fanden Herr Karl Beck, Frau Christine Heller und Frau Katharine Schmitt und drei damals sogenannte "Fremdarbeiter", und zwar ein Franzose, ein Russe und eine Polin den Tod.

Pfarrer Hofmann schreibt im November 1944 im 13. Heimatbrief der "Heimatglocken für Ossenheim":

Herr Beck wurde aus den Trümmern seines Hauses tot geborgen, Frau Heller aus den Trümmern des eingestürzten Scheunengiebels ihres Nachbarn August Walther tot geborgen. Frau Katharine Schmitt, geb. Merkel, die mit ihrem Manne in Frankfurt am Main schon ausgebombt war und seit einiger Zeit bei ihrem Bruder in Ossenheim wohnte und auf dem Wege von Fauerbach nach Ossenheim war, wurde durch Bomben, die in der Nähe der Wetterbrücke niedergingen völlig in Stücke gerissen. Es gab noch mehrere schwer und leicht verletzte Personen. Herr Hans Schmitt, der bei dem Bombenangriff schwer verletzt wurde, starb nach langen qualvollen Leiden am 28.0ktober 1944 an den Folgen seiner Verletzungen. Ebenso muss an dieser Stelle an Konrad Rasch erinnert werden, der einige Zeit später ebenfalls an den Verletzungen, die er beim Bombenangriff erlitten hat, gestorben ist.

Das Abwurfgebiet in südlicher Richtung des bebauten Gebietes dehnte sich bis zur Scheune des Hemi August Heil, in dem eine Kelteranlage aufgestellt war, aus. Die Sachschäden waren groß. Ein großes Glück für die verschütteten und danach geretteten Personen war, dass keine Brandbomben oder Brandkanister abgeworfen wurden und es zu keinen Bränden kam.

Ein Tag trauriger Erinnerung für die Menschen, die diesen Tag in Ossenheim miterlebten, halfen, die verletzten und verschütteten Personen zu retten, und die Angehörigen, die liebe Menschen als Opfer zu beklagen hatten.

Trotz aller Verluste an Menschen und Schäden, an Gebäuden und Einrichtungen, war es ein Glück, dass ein großer Teil der Sprengbomben in den Teil des Feldes nördlich und seitlich der Wetter fielen. Auch die Brücke über die Wetter war schwer beschädigt.

Alle Menschen waren froh, als dieser unselige Krieg zu Ende war.

Nach Ende des 2. Weltkrieges hatte man vorerst andere Sorgen, so z.B. Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung, Versorgung von Wohnraum, auch für die neu hinzugekommenen Bürger, die als Flüchtlinge oder Heimatvertriebene aus dem Osten und Südosten der Angrenzerstaaten von Deutschland kamen. Nach und nach kehrten auch die männlichen Mitbürger nach langer Gefangenschaft zurück. Der Brandschutz wurde durch die sogenannte Pflichtfeuerwehr, der alle männlichen Einwohner im Alter von 18 bis 60 Jahren angehören mussten, sichergestellt.

Die letzten Unterlagen über eine Hilfsfeuerwehr Ossenheim fand ich in den Unterlagen des Archivs. Diese Liste umfasst 50 Namen und stammt aus dem Jahre 1951. Ein großer Teil der Leute ist verstorben, ein anderer Teil ist von Ossenheim weggezogen.

Nicht nur zu dieser Zeit war "Pflicht" eine Sache, die ungern erfüllt wurde. Musste man sich bei Fehlen von Übungen entschuldigen, ja sogar musste man bei unentschuldigtem Fehlen mit Buße rechnen. Nach einigem Zögern und geführten Diskussionen entschlossen sich 22 Männer in Ossenheim eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Hierbei leisteten auch der damalige Kreisbrandinspektor Ernst Häuser und der Bezirksbrandmeister Karl Knorr aus Friedberg große Hilfe. Diesen beiden Kameraden gebührt der Dank, dass in den 50er Jahren in einigen Gemeinden des Altkreises Friedberg Freiwillige Feuerwehren gegründet wurden. So hat auch hauptsächlich Karl Knorr dazu beigetragen, dass die Freiwillige Feuerwehr in Ossenheim. ihren Stellenwert erhielt und kein "Strohfeuer" war.